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Mittwoch, 23. August 2017
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HPSDR

Was ist HPSDR?

Software Defined Radio (SDR) ist ja heute auch in DL ein bekannter Begriff dank der hervorragenden Arbeit von Tony Parks, KB9YIG, mit seinen SoftRock-Projekten und dank des aussergewöhnlichen Engagements von Bodo Scholz, DJ9CS, der diese Projekte in DL unterstützt und bekannt gemacht hat. Darüber hinaus haben der SDR-1000 Transceiver von FlexRadio sowie seine Nachfolger und Ableger wie HA-SDR, Lima-SDR und andere auch in DL zahlreiche Freunde gefunden. Bernd Kainka und die Zeitschrift „Elektor“ haben durch ihren Entwicklungen des Elektor-SDR ebenfalls stark zum Bekanntwerden des SDR-Prinzips beigetragen. Diese ganze Generation von SDRs hat eines gemeinsam: Am Ausgang des Gerätes stehen in den Nf-Bereich gemischte analoge Signale zur Weiterverarbeitung an. Erst im angeschlossenen PC werden diese Signale durch eine Soundkarte digitalisiert und dann die digitalisierten Daten einem Programm wie PowerSDR,Rocky oder andere zur Weiterverarbeitung übergeben.

Der Ansatz von HPSDR ist anders: Direkte Digitalisierung des Hf-Signals am Antenneneingang auf der Empfängerseite und Übertragung des digitalen Datenstroms per USB (oder Ethernet) an den PC zur DSP-Verarbeitung sowie digitale Erzeugung des Sendesignals im PC und Übertragung per USB (oder Ethernet) mit digitaler Mischung und Umwandlung in ein Analogsignal direkt vor dem Senderausgang. Dieses Konzept setzt schnelle A/D-Wandler bzw. D/A-Wandler voraus und wurde in einem kommerziellen Projekt als PERSEUS Empfänger von Nico Palermo, IV3NWV, realisiert. Hier arbeitet ein 14-bit-A/D-Wandler direkt am Empfängereingang. Der PERSEUS braucht eine PC-Software zur Signalverarbeitung und Steuerung. Ein sogenannter Stand-alone-Empfänger wurde von einem deutschen Hersteller mit dem RDR54 (Burkhard Reuter Elektronik, Dessau) entwickelt. Dieser Empfänger hat die gesamte Signalverarbeitung über DSPs (Digitale Signalprozessoren) integriert und kommt ohne PC aus.

Ein kommerzielles Transceiver-Projekt mit Empfänger und Sender für den Amateurfunk ist das Projekt ADAT-200A von Hans Zahnd, HB9CBU. Auch dieses Projekt ist ein Stand-alone-Transceiver mit integrierten DSPs. Nachteil der Stand-alone-Geräte ist zum einen, dass die Programmierung der DSPs proprietäre Software-Entwicklungswerkzeuge benötigt, die für den normalen Amateur nicht erschwinglich sind. Zum anderen ist die gesamte Software und Firmware nicht Open-Source, so dass der Funkamateur unbedingt auf den Support der Hersteller angewiesen ist.

HPSDR ist ein Open-Source-Projekt sowohl von der Hardwareseite her als auch softwaremäßig. Jeder, der möchte, kann Hand anlegen, modifizieren, selber Platinen entwickeln oder die Software und Firmware verändern. Das macht meiner Meinung nach HPSDR auch zu einem hervorragenden Lernsystem für jeden, der sich mit der digitalen Signalverarbeitung oder mit Programmierung der FPGAs beschäftigen möchte. Die Software-Entwicklungswerkzeuge sind frei zugänglich und kostenlos.

HPSDR ist auch ein modular aufgebautes Projekt. Jedes Modul wurde mit einem Namen versehen (meistens aus der griechischen Mythologie) und erfüllt eine bestimmte Funktion. Das Rückgrat für alle Module bildet eine Busplatine namens ATLAS mit sechs Steckplätzen für HPSDR Steckkarten sowie einem Steckplatz für den Anschluß eines ATX-Netzteils zur Stromversorgung.

 

Dieses modulare Konzept macht HPSDR äußerst flexibel. Funktionsmodule können ausgetauscht oder erneuert werden. Aus einem KW-Transceiver kann mit anderen Modulen ein Spektrumanalyzer mit Trackinggenerator werden oder das volldigitale Empfangsmodul MERCURY kann für Vergleiche gegen ein analoges ähnlich dem SDR-1000 getauscht werden. OZYMANDIAS (kurz: OZY; gespr. Osi), das Interface-Modul zwischen PC und HPSDR kann durch einfaches Aufspielen neuer Firmware vom SDR-Interface zum Programmierinterface für die Firmware der anderen Module werden usw. . Der Phantasie sind für zukünftige Entwicklungen kaum Grenzen gesetzt. Das Grundgerüst an Hardware und Software ist vorhanden.

Was ist HPSDR nicht

HPSDR ist kein fertiger Transceiver. Man muss selbst Hand an so manches legen. Selbst wenn man die einzelnen Module fertig kauft, müssen diese in ein Gehäuse eingebaut werden, mit einer Vorselektion versehen werden, eine PA muss nachgeschaltet werden. HPSDR hat keine Knöpfe und Drucktaster. Alles wird vom PC aus eingestellt und bedient. Wer also eine Aversion gegen PCs hat (solche Leute soll es ja geben), muss leider auf HPSDR verzichten und auf ein Stück Zukunft im Amateurfunk oder muss für ein kommerzielles Produkt tief in die Tasche greifen. HPSDR ist aussergewöhnlich, aber keine Eier legende Wollmilchsau. HPSDR kann selbst gebaut werden, auch von Funkamateuren jenseits der Fünfzig. Ich selbst bin der beste Beweis. Mit 56 Jahren habe ich mein erstes SMD-Bauteil gelötet, ohne Elektroniker zu sein oder mit dieser Sparte überhaupt etwas zu tun zu haben, ausser eben Funkamateur zu sein. HPSDR ist nicht billig, aber vom Preis-Leistungsverhältnis sowie vom Spaßfaktor her aussergewöhnlich

 

 

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